Er ist wieder da! Der Biber in der Südsteiermark

von Werner Ch. Leitner

Die drei semiaquatisch lebenden Nagetiere Biber, Nutria und Bisam besiedeln unsere Wasserreviere. Für uns Jäger Grund genug genauestens darüber Bescheid zu wissen, zumal der Biber streng unter Naturschutz steht, während Nutria und Bisam bejagbar sind.

Historie:

Der Europäische Biber war einst eine weit verbreitete heimische Art. Aufgrund seines begehrten, Wasser abweisenden Balges, aber auch wegen des Wildbrets und des von ihm produzierten Bibergeils, einem Sekret, dem potenzfördernde und heilende Wirkung zugeschrieben wurde, verfolgte der Mensch diesen größten heimischen Nager rücksichtslos. In alten Kochbüchern wurde den Gerichten aus Biberfleisch umfangreich Platz geboten, da er als wasserlebendes Tier von der katholischen Kirche als Fastenspeise – den Fischen gleich – erlaubt war. Die ständig verbesserten Jagd- und Fangmethoden brachten den Biber bereits um 1850 an den Rande der Ausrottung –  der letzte österreichische Biber wurde im Jahre 1869 getötet.

Mehr als 100 Jahr galt diese Art dann bei uns als ausgestorben bis man im Jahr 1976 mit einer Wiederansiedlung begann. Zwischen 1976 und 1982 wurden in den Donauauen östlich von Wien 45, vorwiegend aus Polen stammende Biber, ausgewildert. Nach ca. zehn Jahren hat sich dieser kleine Anfangsbestand bereits verdoppelt, in der Folge gut vermehrt und entlang der Wasserwege weiterverbreitet. Diese Dispersionen erstreckten sich nicht nur auf Donau und March sondern auch auf viele andere Gewässer Niederösterreichs. Die Verbreitung Richtung Westen erfolgt bereits vor zwei Jahrzehnten. Ebenfalls wurden Biber in Oberösterreich und Salzburg wieder angesiedelt bzw. sind aus Bayern eingewandert und eroberten auch dort ihre Lebensräume zurück. Diese westliche Population im Inn-Salzachtal verschmolz 2003 mit der östlichen Population mit einer Gesamtzahl von ca. 2.000 Individuen. Bereits 2006 wird der österreichische Biberbestand auf ca. 3.000 Tieren geschätzt – Tendenz steigend! Heute gibt es den Biber auch in Vorarlberg und Tirol, Kärnten, Burgenland und in der Steiermark.

Der Kanadische Biber, der anfänglich auch ausgewildert, später dann jedoch wieder eingefangen wurde, scheint offensichtlich verschwunden zu sein.

Vorkommen in der Südsteiermark:

In der Südsteiermark mehren sich in letzter Zeit die Biberbeobachtungen durch Jäger und Fischer. Dieser Biberbestand – er dürfte von Zuwanderungen aus Slowenien stammen – vermehrt sich in unseren Gewässern stetig und besiedelt mittlerweile nicht nur die Mur, sondern auch die Laßnitz und Kainach, aber auch andere Gewässer. Entlang der Mur ist der Biber mittlerweile von Spielfeld bis nach Wildon, aber auch weiter Richtung Norden anzutreffen.

 

Morphologie und Anatomie:

In der Familie der Biberartigen werden zwei Arten, nämlich der Europäische (Eurasische) Biber (Castor fiber) und der Nordamerikanische Biber (Castor canadensis) unterschieden.

Die mächtigen Nager sind wurzellose Zähne und nur im vorderen Bereich mit Zahnschmelz umgeben

Die mächtigen Nager sind wurzellose Zähne und nur im vorderen Bereich mit Zahnschmelz umgeben

Mit ca. 20 bis 30 kg ist der europäische Biber der größte wasserlebende Nager. Charakteristisch für ihn ist der meist braune Balg, der mit ca. 20.000 Haaren pro Quadratzentimeter das Tier vor Auskühlung und Nässe schützt. Ebenfalls charakteristisch ist sein ca. 15 cm breites, abgeplattetes, haarloses Ruder, das in unserer Weidmannsprache als „Kelle“ bezeichnet wird. Sie dient einerseits als „Steuerruder“ zum Auf- und Abtauchen, andererseits als Fettspeicher und zur Temperaturregulation. Die vollständigen Schwimmhäute zwischen den Zehen der Hinterläufe dienen der Fortbewegung im Wasser. Ohren und Nase sind bei seinen Tauchgängen, die bis zu ca. 15 Minuten dauern können, verschließbar.

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Nutrias haben einen runden Ruderquerschnitt und an den Hinterläufen unvollständige Schwimmhäute

Achtung – Verwechslungsgefahr:

Selbstverständlich steht der Biber – eine Wildart nach dem Steiermärkischen Jagdgesetz 1986 – unter Naturschutz und ist ganzjährig geschont. Für den in Wasserrevieren jagenden Jäger ist es dennoch von größter Bedeutung über ihn gut informiert zu sein, denn bei der Jagd auf Bisam und Nutria besteht Verwechslungsgefahr der drei semiaquatisch lebenden Arten, da immer auch mit Jungbiber zu rechnen ist. Als wichtigste Regel gilt – wie bei jeder Schussabgabe: „Der Finger bleibt gerade, wenn nicht einwandfrei und hundertprozentig sicher angesprochen wurde“!

 

Wodurch unterscheidet sich nun Bisam, Nutria und Biber?

Beim Bisam (links) und Nutria (unten) – beide sind in der Steiermark bejagbar – liegt die Kopf-Rücken-Becken-Region beim Schwimmen stehts oberhalb der Wasserlinie. Beim Nutria sind die weißen Sinneshaare meist deutlich sichtbar.

Beim Bisam (links) und Nutria (unten) – beide sind in der Steiermark bejagbar – liegt die Kopf-Rücken-Becken-Region beim Schwimmen stehts oberhalb der Wasserlinie. Beim Nutria sind die weißen Sinneshaare meist deutlich sichtbar.

Der Bisam (Ondatra zibethicus), aus Nordamerika stammend, ist mit einem Gewicht von ca. 1,5 Kilo der kleinste im Bunde. Sein Fell ist kastanienbraun, sein Ruder ist seitlich abgeflacht und nahezu nackt. Er besitzt keine Schwimmhäute und seine obere Kopf-Rücken-Becken-Region ist beim Schwimmen stets deutlich oberhalb der Wasserlinie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nutria

Nutria

Der Nutria (Myocastor coypus), aus Südamerika stammend, steht mit ca. 10 Kilo gewichtsmäßig zwischen Bisam und Biber. Sein Fell ist meist graubraun – es gibt jedoch sehr viele Farbvarianten von Hellgrau bis Schwarz, Hell-cremefärbig bis fast Schneeweiß. Sein Ruder hat einen kreisförmigen Querschnitt und ist nur mäßig behaart. An den Hinterläufen finden sich unvollständig entwickelte Schwimmhäute und seine obere Kopf-Rücken-Becken-Region ist beim Schwimmen ebenfalls oberhalb der Wasserlinie. Darüber hinaus findet man bei Nutria die sehr auffällige weißen Sinneshaar (Vibissen), die Bisam und Biber fehlen.

 

 

 

Der Biber ist mit ca. 20 bis 30 Kilo der Größte. Beim Schwimmen mit deutlichem Vortrieb ist nur mehr der obere Kopfteil zu sehen – der restliche Körper liegt hierbei nahezu gänzlich unter der Wasserlinie. Aber Achtung: Wenn das Tier im Wasser ruhig liegt und kein Vortrieb erzeugt wird ist die Rückenlinie auch beim Biber zu sehen.

 

 

Biologie und Ökologie:

Biber leben gesellig in kleinen Sippen, die meist aus den beiden Elterntieren, sowie den Jungen und den Jungen des Vorjahres bestehen. Das Territorium einer Sippe erstreckt sich je nach Habitatqualität auf ca. ein bis drei Kilometer Flusslänge. In ihren Territorien errichten sie ihre Wohnbauten (Erdbau, Mittelbau, Biberburg) und mancherorts auch ihre Dämme, die zur Wasserstandsregulierung dienen. An der Mur finden sich überwiegend Erdbauten, da für den Bau von Biberburgen die Strömung vielerorts zu hoch ist. Die Einfahrten zu den Wohnbauten liegen unter dem Wasserspiegel, sodass diese nur bei extremen Wassermangel zum Vorschein kommen. Von der Einfahrt führt der Gang zum höher gelegenen Kessel, der als Tagesunterschlupf und zur Jungenaufzucht dient.

Spätestens mit der Geschlechtsreife, die ab dem dritten Lebensjahr einsetzt, müssen die Tiere ihre Sippe verlassen und eigene Territorien beziehen. Dabei kommt es teilweise zu weiten Migrationsbewegungen von vielen zig Kilometern. Die Territorien werden durch Geruchsmarken abgegrenzt. Das Sekret für diese Geruchsmarkierung kommt aus einer Drüse aus dem Analbereich und wird als Bibergeil bezeichnet. Die Hauptpaarungszeit ist im Jänner und Februar und nach einer ca. 105-tägigen Trächtigkeit werden zwei bis vier behaarte und sehende Jungbiber gebracht. Nach einer Säugezeit von rund zwei Monaten ernähren sich die Jungbiber auch durch von den Elterntieren herangebrachten Nahrungspflanzen.

 

 

Nahrung:

„Fällungsschnitte im Starkholz“ weisen die typische „Sanduhrform“ auf

„Fällungsschnitte im Starkholz“ weisen die typische „Sanduhrform“ auf

Als reine Pflanzenfresser und Nahrungsgeneralist ernährt sich der Biber von vielen verschiedenen krautigen Pflanzen und Gräser des Uferbereiches, aber auch von diversen Wasserpflanzen. Vor allem in der kalten Jahreszeit spielen ufernahe Gehölze, deren Rinde und Knospen verzehrt werden, eine große Rolle. Welche Gehölze vorrangig genutzt werden hängt einerseits von der Verfügbarkeit, andererseits von bestimmten Vorlieben der einzelnen Individuen bzw. Sippen ab. Vorrangig werden diverse Weiden- und Pappelarten, aber auch Eschen, Buchen, Vogel- und Traubenkirschen – ja sogar Fichten und Kiefern genutzt. Unbeliebte Gehölze sind vor allem die Erlenarten, aber auch Linden, Rosskastanien sowie Pfaffenhüten und Faulbaum. Meist nutzt der Biber Gehölze mit einem geringen Stammdurchmesser, jedoch werden auch manchmal starke Bäume gefällt. Während Gehölze mit geringem Durchmesser mit einem schrägen Schnitt gefällt werden, sind die „Fällungsschnitte im Starkholz“ mit der typischen „Sanduhrform“ durchgeführt. An starken Stämmen nagt der Biber häufig in gewissen Etappen, die sich über mehrere Tage hinwegstrecken können. Nach dem Fällen des Gehölzes verzehrt der Biber die feine Rinde der Zweige des Kronenbereiches sowie deren Knospen. Auch transportiert er die zerlegten Kronenäste zu Wasser und legt damit Nahrungsflöße als Wintervorrat an.

 

 

Biber in der Kulturlandschaft:

Biberfraßspuren im Mais – die einzelnen Pflanzen sind großteils bodennah abgeschnitten

Biberfraßspuren im Mais – die einzelnen Pflanzen sind großteils bodennah abgeschnitten

Selbstverständlich führt die Neubesiedelung durch den Biber in unserer Kulturlandschaft auch zu Problemen. Unterminierte Uferbereiche und ufernahe Wege brechen durch seine Wühltätigkeit ein, die Nutzung von Gehölzen führt zu Interessenskonflikten mit den Waldeigentümern, und Fraßschäden an landwirtschaftlichen Kulturen wie z. B. Maisfelder erzürnen so manchen Bauern. Auch so manche ackerbaulich genutzte Fläche wurde durch die Errichtung von Biberdämmen überschwemmt, was zum Totalausfall führen kann.

Nachdem der Biber nach dem Anhang IV der FFH-Richtlinie geschützt ist und natürlich keine Schusszeit hat sind auch die Schäden durch den Biber vom Jäger nicht ersatzpflichtig!

Maispflanze vom Biber „geschnitten"

Maispflanze vom Biber „geschnitten“

Betrachtet man die Lebensweise des Bibers genauer, so wird deutlich, dass nur dort Probleme auftreten, wo der Mensch durch die Landnutzung zu stark in die Natur eingegriffen hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oberirdische Ausfahrt eines Biberbaues

Oberirdische Ausfahrt eines Biberbaues

Biberwechsel an der Mur

Biberwechsel an der Mur